Junge Menschen im ZEGG

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Leyla Coban, 26, ist die erste Auszubildende im ZEGG. Sie macht seit September 2015 eine staatliche Ausbildung zur Gärnterin mit Schwerpunkt Gemüseanbau im ZEGG-Garten. Cordula Andrä hat ihr für den Newsletter einige Fragen gestellt.

 

Du machst Deine Ausbildung zur Gärtnerin im ZEGG. Jetzt ist die Gartensaison voll losgegangen ...
Ja, wir sind mittendrin in der Pflanzsaison. Unsere Pflanzen werden erst ausgesät, dann pikiert und später in die Erde gesetzt. Damit wir später zum richtigen Zeitpunkt die benötigten Mengen ernten können, machen wir das in Sätzen. Jetzt war gerade der 3. Satz Kohl dran. Nach dem Einpflanzen brauchen die Jungpflanzen viel Pflege, wir jäten, hacken und bewässern die Beete. Das ist richtig viel Arbeit. Es bedeutet auch, dass ich jedes Kohl- und Salatpflänzchen, das in unserem Garten wächst, schon in der Hand hatte. Und es ist total befriedigend, zu erleben, wie alles wächst und gedeiht.
 
Wie arbeitet Ihr zusammen? Und bist Du zufrieden mit Deiner Ausbildung?
Ja, es ist ein wunderschöner Garten und eine tolle Arbeit. Zum Kernteam gehören drei Menschen, das sind die beiden Gärtner Axel und Gert und ich. Wir haben 2 Freiwillige, die die ganze Saison regelmäßig da sind. Und viele Helferinnen und Helfer, vor allem Sommergäste und Saisoniers. Es gibt eine Kombination aus Dingen, die zu tun sind: Axel macht vor allem die übergeordneten gärtnerischen Arbeiten; Gerd ist für die Arbeit mit den Helferinnen zuständig und ich arbeite in einem praktischen Bereich, gerade ist das die Jungpflanzenanzucht.
In den letzten zwei Monaten habe ich wahnsinnig viel gelernt, besonders an Pfingsten. Da ist Axel krank geworden und ich habe zeitweise die Verantwortung für den gesamten Garten übernommen. Es mussten 400 Menschen verpflegt werden! Das war ein ganz schöner Sprung ins kalte Wasser. Und es war toll, weil ich gelernt habe, wie ich die Sache wirklich in die Hand nehmen kann.
 
Leyla GartenHast Du Dich bewusst für einen Ausbildungsort entschieden, in dem ökologisch gewirtschaftet wird?
Ja, ganz klar. Für mich war das keine Frage. Es gibt nur vier Auszubildende in ganz Brandenburg, die diese Ausbildung zur Gärtnerin machen. Alle vier arbeiten in Bio-Betrieben! Über den Winter habe ich in einer Kooperationsgärtnerei von Bioland mitgearbeitet. Da ging es vor allem um Effektivität und Produktionsmengen. Der Betrieb war sehr hierarchisch organisiert. Ich bin froh, dass wir hier anders arbeiten. Manchmal habe ich trotzdem Sehnsucht nach mehr Freiheit und danach, etwas ganz Eigenes zu erschaffen und mich nicht ins bestehende System zu integrieren. Aber ich finde es sehr wertvoll, die Prozesse im Garten über einen längeren Zeitraum mitzubekommen und zu sehen, wie sich die Zyklen abwechseln. Es ist eine tolle Arbeit.
 
Du hast ja mehr als nur einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Seit September bist Du auch Teil der Gemeinschaft. Wie ist das für Dich?
Ich hatte Glück und habe sofort Anschluss gefunden. Einen Monat nachdem ich hergekommen bin, bin ich Teil der Lesbosgruppe geworden. Wir schaffen uns Räume, in denen wir uns wirklich hören und sehen. Das ist für mich sehr wichtig. Inzwischen sind wir sind 11 Menschen zwischen 22 und 30 Jahren. Nach dem Sommercamp wollen wir gemeinsam ins Weiße Haus ziehen und dann auch zusammen wohnen.
 
Ihr habt Eure Gruppe Lesbos genannt, wieso habt Ihr Euch für diesen Namen entschieden?
Das hatte drei Gründe: unser ehemaliges Wohnzimmer in der Uni hieß 'Capri', wie der Schlager aus den 60er Jahren. Wir wollten mit dem Namen 'Lesbos' die heteronormative Beziehungswelt im ZEGG etwas auflockern. Außerdem wollten wir die Krise in Griechenland ins Bewusstsein rücken. Und natürlich die Situation der Flüchtenden, die auf Lesbos landen. Also das Weltgeschehen etwas mehr im ZEGG-Alltag verankern. Der Name hat sich inzwischen für das Wohnzimmer schon etabliert....
 
Gibt es etwas, was Du im ZEGG verändern würdest?
Was ich am ZEGG schätze, sind die Menschen, die Fülle an Kontakten und die Möglichkeit, in eigene Prozesse einzutauchen. Das ZEGG ist voller Menschen und hochfrequenter Energie. Wirklich zu entspannen, ist hier eine echte Herausforderung. Manchmal ist es auch eine Überforderung. Ich sehe das bei mir und bei vielen anderen. Darüber möchte ich mehr ins Gespräch kommen. Was brauchen wir, um zu entspannen? Wie kommen wir da hin? Ich glaube, es wäre gut, wenn es für alle eine Gruppe gäbe wie die Lesbos-Gruppe für mich. In kleineren Zusammenhänge entsteht erst der Raum für Entspannung.
Danke, liebe Leyla!